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Hinrich Wilhelm Kopf (1893-1961)
erster Ministerpräsident des 1946 neugegründeten Landes Niedersachsen
geb. am 06. Mai 1893 in Neuenkirchen [bei Cuxhaven], gest. am 21. Dezember 1961 in Göttingen
Verbindung Lunaburgia Göttingen im Miltenberger Ring
Bereits am 01. Mai 1945 wurde Hinrich Wilhelm Kopf von der britischen Militärregierung zum Regierungspräsidenten Hannovers ernannt. Ab August 1946 war er erster Ministerpräsident des Landes Hannover und ab dem 23. November des neuen Landes Niedersachsen, dessen Gründung er von 1945 an unterstützt und betrieben hatte. Er stand insgesamt fünf verschiedenen Kabinetten vor und verstarb im Amt.
Der junge Kopf verließ mit sechzehn Jahren die Schule und wanderte nach Amerika aus. Neun Monate und zahlreiche Aushilfsjobs später kam er nach Norddeutschland zurück, um in Hildesheim sein Abitur (1913) abzulegen. Anschließend studierte er in Marburg an der Lahn und Göttingen Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften. Nach dem Staats- und Assessorexamen begann eine rastlose Zeit, die ihn kreuz und quer durch das Deutschland der Weimarer Republik führte: Soldatenrat in Cuxhaven, 1919 Eintritt in die SPD, Presseamtsleiter in Bielefeld, persönlicher Referent des Reichsinnenministers David und als Regierungsrat in Weimar mit der Aufgabe betraut die thüringische Landespolizei aufzubauen. Ab 1923 folgten Tätigkeiten im Banken- und Versicherungswesen in Berlin. Von 1928 bis 1932 war er der erste sozialdemokratische Landrat seines Heimatkreises Hadeln. Unter dem Druck der Nationalsozialisten („Preußenschlag“) musste er diesen Posten aufgeben und wurde bis 1934 in die oberschlesische Provinz versetzt. Für weitere sechs Jahre in die Privatwirtschaft abgedrängt, wurde er 1940 für Aufgaben im besetzten Polen zwangsverpflichtet, denen er sich erst 1943 entziehen konnte, um das oberschlesische Gut seiner Frau zu verwalten. Von dort gelangte er im Zuge eines Flüchtlingstrecks zu Kriegsende in das heutige Niedersachsen.
Nicht immer mit der Mehrheitsmeinung seiner Partei (zu „Vor-Bad-Godesberger-Zeiten“) übereinstimmend, verfolgte der „Rote Welfe“ eine pragmatische Politik – frei von zu engen, doktrinären Vorstellungen. Nicht nur diese Haltung sollte beachtet werden. Seinen Ausspruch „Lebt die Gemeinde gesund, lebt der Staat gesund" sollten sich viele Bundes- und Landespolitiker der Gegenwart wieder zu Herzen nehmen. Aber auch andere Bonmots sollten Genossen wie jeder andere Politiker bedenken: „Ich bin Sozialist, weil ich Christ bin.“ Und: „Pus´di man nich op, büst ok blot mit´n nookten Moors oppe Welt komen (Blas' Dich mal nicht auf, Du bist auch bloß mit nacktem Hintern auf die Welt gekommen).“
Text: Alexander Voigt
Literatur:
Rieckenberg, Hans Jürgen: Kopf, Hinrich Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 12, Berlin 1980, S. 562 f.
Tietje, Werner: Hinnerk Willem Kopp, Otterndorf 1966.


