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Karl Barth (1886-1968)
evangelisch-reformierter Theologe
geb. am 10. Mai 1886 in Basel/Schweiz, gest. am 10. Dezember 1968 in Basel/Schweiz
Schülerverbindung Patria Bern, Studentenverbindung Zofingia Bern
„Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ wird er genannt: Karl Barth, Begründer und führender Vertreter der „Dialektischen Theologie“. Als Schüler Mitglied der Pennalverbindung „Patria“ in Bern, war Karl Barth während seiner Studienzeit in der „Zofingia“ aktiv, die zahlreiche berühmte Schweizer zu ihren Mitgliedern zählt (u. a. Jacob Burckhardt, Jeremias Gotthelf, Carl Gustav Jung, Hermann Kutter, Conrad Ferdinand Meyer, Jean Ziegler). Zusammen mit Leonhard Ragaz und Wilhelm Vischer gehörte Barth zu den „Ideal-Zofingern“, die von den Mitgliedern einer christlich geprägten Verbindung auch Arbeit im sozialen Bereich forderten.
Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Bern, Berlin, Tübingen und Marburg a. d. Lahn war Barth zunächst von 1908 bis 1909 Redaktionsgehilfe der in Marburg erscheinenden Zeitschrift „Christliche Welt“. Seit Sommer 1909 als Vikar in Genf tätig, wurde er 1911 von der Bauern- und Arbeiter¬gemeinde in Safenwil (Kanton Aargau) zum Pfarrer gewählt. Die Arbeit in dieser Gemeinde war eine der drei Erfahrungen, die sein Leben entscheidend prägten. Er beteiligte sich aktiv am Aufbau der örtlichen Gewerkschaft und trat 1915 der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bei.
Seine zweite prägende Erfahrung war der Erste Weltkrieg, der es nach Barths Worten „an den Tag gebracht (hat), dass wir alle auf dem Boden des Unfriedens leben“. Aus der Abwendung von seinen bisherigen theologischen Auffassungen entstand sein Kommentar des Römerbriefs (1919), der besonders in seiner zweiten Auflage (1922) eine radikale Kritik an der Theologie des neunzehnten Jahrhunderts formulierte. 1922 folgte Barth dem Ruf nach Göttingen als Honorarprofessor auf den Lehrstuhl für Reformierte Theologie, der mit finanzieller Hilfe amerikanischer Presbyterianer neu eingerichtet worden war. Zum Zeitpunkt dieser Berufung war Barth noch ohne Promotion; zum Dr. theol. wurde er erst im folgenden Jahr durch die Universität Münster promoviert. Münster war seit 1925 die nächste Station seiner akademischen Laufbahn, bevor er 1930 dem Ruf auf den Bonner Lehrstuhl für Systematische Theologie folgte, von dem er im Wintersemester 1934/35 durch die NS-Führung vertrieben wurde.
Barths entschiedene Gegnerschaft zum Nationalsozialismus war seine dritte prägende Erfahrung. Schon früh sah er sich zu öffentlicher Stellungnahme gegen die heraufkommende NS-Diktatur veranlasst und trat deshalb am 1. Mai 1931 der SPD bei. Bereits kurz nach Hitlers „Machtergreifung“ wurde Barth zur Zielscheibe der NS-Propaganda. Obwohl er es ablehnte, seine Vorlesungen mit dem obligatorischen „Deutschen Gruß“ zu beginnen, ließ man ihn zunächst als vor allem im Ausland hochangesehenen Vertreter des deutschen Protestantismus noch unbehelligt; auch sein Status als Schweizer Staatsangehöriger schützte ihn vor staatlichen Disziplinierungsmaßnahmen. Als er sich jedoch weigerte, den vorgeschriebenen Eid auf Hitler zu leisten, wurde er im November 1934 vom Dienst suspendiert und im Juni 1935 aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufs-beamtentums“ zwangspensioniert. Theologisch führte seine Opposition zum NS-Staat zu den über-wiegend von Barth formulierten berühmten sechs Thesen der Synode der Bekennenden Kirche (BK) vom 31. Mai 1934 in Barmen, in denen die völkisch-theologischen Positionen der „Deutschen Christen“ (DC) zurückgewiesen wurden. Dem protestantischen Pfarrernotbund, der sich als innerkirchliche Opposition gegen die NS-dominierten DC bildete, gehörte Barth als führendes Mitglied an. Nach seiner Entlassung in Bonn kehrte Barth 1935 in die Schweiz zurück, wo er noch bis 1962 in Basel lehrte.
Barth hat sich expressis verbis nicht als Pazifist bekannt. Es war deshalb für ihn selbstverständlich, an den für die Schweizer Männer obligatorischen militärischen Manövern teilzunehmen. Zur Beseitigung des Nationalsozialismus war nach seiner Auffassung der Krieg notwendig und gerechtfertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er einer der ersten, die den Kontakt mit Deutschland wiederherstellten. Eine Versöhnung war Barths Worten zufolge jedoch nicht ohne Voraussetzung möglich: Die Deutschen hätten die „innere Remedur des deutschen Wesens“ nicht auf die NS-Zeit zu beschränken, sondern „bis auf deren Wurzeln in der Zeit Bismarcks, ja Friedrichs des Großen“ zurückzugehen. Mit seinen Äußerungen zur internationalen Politik stand Barth „zwischen den Feuern“: Er plädierte für einen „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Wenn er auch für den östlichen Kommunismus keine Sympathien hegte, hielt er dennoch einen „prinzipiellen Antikommunismus für das noch größere Übel als den Kommunismus selber“.
Politik und Theologie waren für Barth nicht voneinander abgrenzbare Bereiche. Als die Universität Leiden 1939 seinen Vortrag über ein theologisches Thema zensieren wollte, schrieb er an die dortigen Studenten: „Wo theologisch geredet wird, da wird implizit oder explizit immer auch politisch geredet.“
Text: Manfred Blänkner
Literatur:
Busch, Eberhard: Karl Barths Lebenslauf. Nach seinen Briefen und autobiographischen Texten, München 1975.


